Neues Buch erschienen
Resonanzen.
Anthologie der Wolfgangsee Literaturtage.
Sigrid Kohl, Tina Strauss (Hg.)
Ersterscheinung 08 2008, Seitenzahl: 192, Einband: Softcover
ISBN 978-3-902157-50-8, Preis: € 13,00Mehr dazu hier
Internationale Wolfgangsee Literaturtage (gegr. 1999)
Jährliches Treffen internationaler Autor/inn/en am Wolfgangsee
Resonanzen.
Anthologie der Wolfgangsee Literaturtage.
Sigrid Kohl, Tina Strauss (Hg.)
Ersterscheinung 08 2008, Seitenzahl: 192, Einband: Softcover
ISBN 978-3-902157-50-8, Preis: € 13,00Alleebäume, die plötzlich wie aus dem Nichts kommend neben der Straße aufragen, begleiten einen ein Stück des Weges, um plötzlich aus dem Gesichtsfeld zu verschwinden. Ohne sichtbares Zeichen eines Endes einfach verschwinden. So als hätte der Gärtner beschlossen, daß hier das Ende, ein Markierungspunkt, eine Zernierung, eine Grenze sei. Doch es ist nichts von alledem zu sehen. Die Landschaft, der Ort, nichts deutet darauf hin, daß hier ein sichtbares Ende sei. In Strobl haben die Alleen zwar einen Anfang und ein Ende, bezeichnet durch die ersten und letzten Bäume, die sich gegenüberstehen, aber der Sinn, hinter diesem Anfang und Ende läßt sich nicht erkennen. In Wien hat die Prater Hauptallee einen Anfangspunkt, den Praterstern, den ehemaligen Nordbahnhof und ein Ende am Lusthaus. Beides Markierungspunkte der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie. Also eindeutig identifizierbare historische Punkte. Machtpunkte, die sich an Orten festmachen lassen. Doch welche historischen Anfangs- und Endepunkte markieren die Alleen in Strobl. Kennen wir sie nur nicht, weil wir fremd sind in diesem Ort oder weil die Willkür der Ortsgestaltung keinen Anfang und kein Ende nahelegen. Oder ist es einfach deshalb, weil es in der sogenannten „Provinz“ für Städter keinen sichtbaren, eindeutig identifizierbaren Anfang und kein ebensolches Ende gibt. Ohne Anfang und ohne Ende scheint auf mich dieser Ort zuzukommen. Zeitlosigkeit prägt das Bild, das sich in meinem Kopf über die „Provinz“ formt. Der Ort ist definiert, durch Heimat und Scholle, doch die Zeit läßt sich nicht festmachen, außer vielleicht an der Architektur der Häuser, an den Hinzufügungen, die sich im Laufe der Zeit eingeschlichen haben. Aber nichts legt nahe, daß diese Hinzufügungen eines Tages ein Ende haben werden oder einmal begonnen haben. Der See, die Kirche, die Berge, der Friedhof alles schien schon immer dagewesen zu sein. Ohne Anfang und es wird noch da sein, wenn ich längst diesen Ort verlassen haben werde. Und die Alleen, die allerorts zu finden sind, wie zufällig in die Landschaft eingestreut, drücken das mit ihrer Körperlichkeit, mit ihrer Verortung aus: Ohne Anfang und ohne Ende scheint dieses Strobl zu sein - durch Zeit und Raum hindurch.