Neues Buch erschienen

Resonanzen.

Anthologie der Wolfgangsee Literaturtage.

Sigrid Kohl, Tina Strauss (Hg.)

Ersterscheinung 08 2008, Seitenzahl: 192, Einband: Softcover

ISBN 978-3-902157-50-8, Preis: € 13,00


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Saturday, 23. august 2008 6 23 /08 /Aug. /2008 13:25

„Was begehrst du? Das, was du täglich siehst...“ aus: „Das Schweigen der Lämmer“

Dieser Satz hat mich, nachdem ich den Film gesehen hatte, noch längere Zeit begleitet. Mit ihm habe ich eine Erklärungsbasis für die Aussage und den Erfolg der Pop-Art gefunden, vornehmlich für den Sinninhalt der Warhol-Bild-Montagen wie zum Beispiel die der Campells Suppendosen....

Es ist aber keine Zufälligkeit, daß ich heute bei einem Spaziergang durch Strobl wieder auf diesen Satz zurückgekommen bin.

Mensch möchte meinen, daß sich gerade am Land in kleineren Dorfgemeinschaften eine andere Jugendkultur entwickelt als das in Städten der Fall ist. Schon alleine deshalb, weil die Säkularisierung in der Stadt viel stärker zu spüren ist und sich Neuheiten, ob es jetzt Mode betrifft, Musik oder Technik aufgrund der hohen Abnehmerdichte einfach viel schneller verbreiten und zum Kult gemacht oder dem Leben als kulturelle Errungenschaft beigefügt werden können. Ich bin mir nicht sicher, ob mich die Basketball-Körbe über einigen Garageneinfahrten wirklich überrascht haben, ich habe sie hier eigentlich nicht vermutet, aber sie haben mir einen Moment zu denken gegeben, bis ich für mich selbst herausfinden konnte, woher mir dieses Bild so bekannt vorkommt. Es stammt aus den amerikanischen Vorabendserien und Filmen, die auch im österreichischen Fernsehen landesweit ausgestrahlt werden. Womit wieder einmal bewiesen ist, daß fernsehen nicht nur schädlich sondern auch beeinflussend ist und ganze Kulturen verändert hat und verändern wird. Vielleicht kennen Sie die abfällige Bemerkung, jemand hätte „zu viele schlechte amerikanische Filme“ gesehen? Da stellt sich mir doch gleich die Frage wie denn ein Klischee zum Klischee wird....

Aber die lasse ich jetzt lieber im Raum stehen und stelle eine andere: Sind wir uns eigentlich noch bewusst, wie viel wir aus einem Medium wie Fernsehen eigentlich übernehmen? und noch eine: Betrifft das alle unsere Lebensbereiche????

Ich stelle mir dabei vor, wie jemand nach dem Muster von “Reich und Schön“ einen Beziehung wahlweise retten oder beenden will oder einen Geschäftsabschluß verhindern bzw. fördern. Wir dürfen die Printmedien ja nicht vernachlässigen, weil DAS gäbe sicher eine wertvolle Schlagzeile für jede Zeitung.

In Wien würden sich Basketballkörbe aufgrund der hohen Baudichte kaum verbreiten können, es sei denn in den Vorstädten - in der Peripherie von Wien aber ist die Baukultur einem solchen Acessoir kaum zuträglich und somit konnte sich diese Idee auch wenig verbreiten - was es aber in den letzten 3 Jahren verstärkt gegeben hat, sind öffentliche Ballspielplätze und zu den Fußballkäfigen in diversen Parks haben sich nun auch Basketballplätze hinzugesellt.

Somit hat sich für mich herausgestellt, daß im ländlichen wie im großstädtischen Siedlungsraum mehr und mehr Amerikanismen Einzug halten und weiter Einzug halten werden und sich zu einem Verständnis von österreichischer Kultur nahtlos hinzufügen und es ist auf jeden Fall ersichtlich, daß sich verschiedene Aspekte an verschiedenen Orten in sich verschiedener Intensität verbreiten.

Wien ist anders. Strobl auch.

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Saturday, 23. august 2008 6 23 /08 /Aug. /2008 13:23

Beim Lesen eines Textes über das Salzkammergut, besser über den WolfgangSee von Hilde Spiel folgende Sequenz gefunden:

„Komm einmal her!“, rief Pierre.

Ich stellte mich neben ihn.

„Was siehst du, Vincent?“

„Was ich sehe? Nun, - den See.“

„Wie ist dieser See?“

„Glitzernd-“, versuchte ich.

„Setz dich, Vicent. Er ist blau.“

„Ja, wirklich. Er ist blau.“

Also, der See ist nicht blau. Auch wenn Hilde Spiel sich dieser Sache sicher ist, kann ich ihr nicht folgen. Denn der See ist grün, vielleicht ist er grün. Er ist türkis. Möglicherweise ist er türkis Aber blau. Unter keinen Umständen. Blau ist die Metapher, die einen See zum literarischen Bild verkommen läßt. Wenn der Wolfgang See blau wäre, was wäre dann?

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Saturday, 23. august 2008 6 23 /08 /Aug. /2008 13:22

Wohin soll ich wandern gehn,
um die schönen Höhen zu sehn.

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Saturday, 23. august 2008 6 23 /08 /Aug. /2008 13:21

Ich bin noch nicht wirklich hier angekommen. Nach der Ankunft der Fußmarsch von der Busstation zu den Bifeb-Gebäuden, der Bezug des Zimmers, das Ausräumen und Einschlichten der Kleidungsstücke hatten ein wenig Normalitätscharakter.

Ich war noch nicht in der Ortschaft, um sie zu betrachten, um zu sehen, was für mich neu und schön sein könnte. Was mich erstaunen würde. Vielleicht finde ich etwas, was ich nicht erwartet hätte, etwas von dem ich noch nichts weiß.

Ich möchte den Menschen bei ihren Gesprächen auf der Straße oder in Gaststätten zuhören können, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Menschen hier miteinander umgehen. Ich möchte hören, was die Touristen über diesen Ort und seine Menschen sagen und was die Menschen hier über die Touristen zu sagen wissen. Ich möchte ein wenig verstehen wie hier ein Tag aussehen könnte.... aus der Position eines Beobachters, eines Zuhörers, der vielleicht nicht bewußt als solcher wahrgenommen wird. Ich werde aber auch bemerken können, wie mit mir umgegangen wird, und ob die Tatsache eine Auswirkung hat, dass ich zwar aus dem selben Land, aber aus einer komplett anderen Umgebung stamme.

Ich werde morgen ein Strobl für mich entdecken gehen und wer weiss? vielleicht kann ich nach diesem Aufenthalt sagen, ich bin nach Strobl gefahren und habe ein St. Robl kennengelernt.

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Saturday, 16. august 2008 6 16 /08 /Aug. /2008 12:54

Jetzt war ich schon ein paar mal in Strobl und jedesmal wieder habe ich mich gefragt, warum in Strobl soviele Verbotsschilder herumhängen. Und dann kam eine Architektin in diesen Ort und sagte: Alles wirkt hier so halböffentlich. Und plötzlich begriff ich die Funktion dieser Verbotsschilder. Niemand würde in Wien auf die Idee kommen irgendeinen privaten Raum zu betreten, weil alles eindeutig Privat ist. Hier gibt es aber z.B. einen Uferstreifen an der Seepromenade, der zwar zugänglich ist, aber nicht öffentlich ist, also stellen sie einfach ein Schild auf, um festzuhalten, daß sei Privat. Überall hängen diese Betreten verboten Schilder, weil nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, daß es Orte der Privatheit sind. Da es sich aber um einen Touristenort handelt, müssen die Menschen auf nette Weise, also höflich aber bestimmt darauf aufmerksam gemacht werden, daß sie das eine oder andere nicht tun sollten oder dürften. Verbote sollen nicht direkt ausgesprochen werden, die Menschen sollen ja nicht brüskiert werden. Also schreiben die Stadtväter und -mütter: Vernünftige fahren hier nicht Rad. Anderen ist es verboten. Damit wird an die Vernunft appeliert. Und wer will in der Fremde schon als unvernünftig gelten? Zumindest wissentlich! Das Verbot wird also zur Frage der eigenen Vernunft, zu einer Metapher des 19. jahrhunderts, als die Aufklärung die Vernunft absolut setzte und so allem Irrationalen, allem Emotionalen, allem Eigenen, allem, was nicht der Konvention entspricht versucht für alle Zeit den Garaus zu machen. Und wir sind ja alle durch die Maschinerie der Aufklärung gegangen, wir alle sind erwachsen und vernünftig, oder wollen so erscheinen. Dennoch. In Strobl zeigt sich einmal mehr, daß das, was nicht auf den ersten Blick als Privat kenntlich ist, durch Verbotstafeln als solches sichtbar gemacht werden muß. Das Verbot ist also nichts weiter als die Sichtbarmachung des Privateigentums. Da es sich in Strobl aber um einen Ort handelt, der vom Tourismus ganz gut lebt, muß dieses Privateigentum aber zum Teil für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, denn die Touristen sollen ja den Strand benützen können, aber eben nur die, die per Geldbörse in den Hotelbesitz einbezahlt haben, weil sie in dem Hotel, in der Pension wohnen, zu der der Strand gehört. Das ist nun der halböffentliche Raum. Wer in das Privateigentum investiert, darf für eine kurze Frist den privaten Raum nutzen und so wird der private Raum zum halböffentlichen Raum, der für eine ausgewählte Anzahl von Personen öffentlich zugänglich wird. Dort wo der Raum halböffentlich ist, dominieren niedrige Hecken, niedrige Zäune, niedrige Steinmauern. Der halböffentliche Raum zeichnet sich durch leicht überschreitbare Hindernisse aus, während der private Raum sich meist durch hohe Zäune, hohe Hecken, undurchdringbare Hindernisse auszeichnet. Wir vertrauen also darauf, daß der halböffentliche Raum respektiert wird, aber wir haben kein Vertrauen darin, daß die Menschen unsere Privatsphäre respektieren. Wir haben Angst, daß sie ins unsere Gärten eindringen, daß sie in unsere Wohnzimmer blicken, unsere Terrassen besetzen. Deshalb werden vorsorglich ein paar Räume zur Verfügung gestellt, wo sich Menschen tummeln können und das Gefühl haben, auch so etwas wie Privateigentum zu haben. Aber es ist eben eine Morgengabe, ein Geschenk, eine Good-will-aktion.

von Wolfgangsee Literaturtage - veröffentlicht in: 1999 Gemeinschaftstext
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