Neues Buch erschienen

Resonanzen.

Anthologie der Wolfgangsee Literaturtage.

Sigrid Kohl, Tina Strauss (Hg.)

Ersterscheinung 08 2008, Seitenzahl: 192, Einband: Softcover

ISBN 978-3-902157-50-8, Preis: € 13,00


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Saturday, 23. august 2008 6 23 /08 /Aug. /2008 15:25

Lieber raimund,
also endlich:

die woche in strobl war für mich in jeder hinsicht eine spannende und „gewinn“bringende erfahrung. Ganz abgesehen von den wirklich großartigen rahmenbedingungen, hat die ganze konzeption viel raum für austausch, gegenseitige inspiration, kritik und anregung gegeben. die – durch welche auswahl auch immer gelungene – harmonische, aber durchaus sehr heterogene gruppe hat viele unterschiedliche aspekte eingebracht. Schreibende in unterschiedlichen situationen, mit unterschiedlichen beweggründen, aber doch alle mit einer gewissen ernsthaftigkeit und „hingabe“, konnten ihre vorstellungen und erwartungen einbringen, so dass trotz der dichte des programms auch sehr viel raum für spezielle fragestellungen, interessengruppen und sogar kreative rückzüge geblieben ist.

für mich persönlich waren drei dinge sehr wichtig und haben wirklich nachhaltigen eindruck auf mich gemacht:

1) deine erfahrungen, die du so großzügig mit uns geteilt hast. Deine herangehensweise an den literaturbetrieb, die sich für mich durch eine mischung aus respektlosigkeit und kompetenz auszeichnet. Das fand ich nicht nur sehr spannend, sondern auch sehr erfrischend und in deiner schonungslosen desillusionierung trotz allem ermutigend. Ich glaube, dass du dadurch auch sehr stark zu dem solidarischen klima beigetragen hast – das möglicherweise im kreise von weniger erfolg-reichen noch leichter zu schaffen ist, dennoch aber keineswegs selbstverständlich. Ganz praktisch gesehen hat deine so konkrete hilfe bei dem verfassen eines projektantrages für mich einiges ins rollen gebracht. Ich hab gleich nach strobl zwei konzepte geschrieben oder fertig geschrieben und gleich einen finanzplan dazu gemacht, bzw. mich an deinem orientiert. Mit einem projekt bin ich an den literaturveranstalter buch und wein herangetreten (den kontakt habe ich durch felicitas bekommen, also auch ein strobl-effekt) und nun hat unser verein ((laut)) dort eine lesung im januar, das festival soll auch dort stattfinden und ganz nebenbei und für mich natürlich supererfreulich habe ich dort meine erste einzellesung am 22.11.01. danke, kann ich da nur sagen.

2) die morgendlichen kritikrunden, die nicht nur viel spaß gemacht haben. Bei denen man doch auch viel über kriterien, betriebsblindheit und überhaupt über fremd- und eigenwahrnehmung gelernt hat die faire und engagierte diskussion hat glaub ich auch noch dazugeführt, dass die gruppe näher aneinander gerückt ist. es bedarf ja doch einiges an vertrauen auf der einen seite und einfühlungsvermögen uf der anderen seite, konstruktive kritik zu äußern. Ich fands toll. Und es hat mich auch ermutigt, weil abgesehen von dem positiven feedback auch die erfahrung, wie unterschiedlich zehn verschiedene menschen einen text wahrnehmen, dazu führt, dass man der eigenen schreibweise mehr zutraut. Es wird einfach deutlich, es gibt zwar kriterien, aber es gibt auch geschmack, unterschiedliche rezeption, vorurteile, prägungen und was nicht alles. Und letztlich muss man schreiben, was man schreiben will. Klar: gut muss es sein.

3) ganz nebenbei und vielleicht besonders in unserer kleingruppendiskussion ist für mich das thema – und vielleicht schlagwort – politisierung aufgetaucht. Und vielleicht auch entprivatisierung und entindividualisierung. – ich fand es übrigens einfach auch schön, überhaupt mal wieder auf solche weise – vielleicht auch intelektuell – zu reden, themen zu behandeln, die oft gar nicht mehr vorkommen. Nächstes wochenende fahr ich zum international slam nach deutschland (als vertreterin für wien;-) und ich versuch einen politischen text zu schreiben. – auch weil ich am letzten wochenende auf der entwicklungstagung in salzburg war, aber ein bisschen hat mich auch die woche in strobl motiviert. Und auch der gedanke, meine vergangenheit als computerlinguistin mit meiner gegenwart als schriftstellerin zu versöhnen, ist für mich eine herausforderung. Ich würde mir daher gern auch gedanken wegen des themas nächstes jahr machen, sofern es dafür noch nicht zu spät ist.

 

Ja, und sonst. Sonst habe ich spannende und nette menschen kennen gelernt. Mit manchen bleibt vielleicht der kontakt, vielleicht stellen wir auch wirklich noch mal was gemeinsames auf die beine. Hier in wien haben wir uns doch auch schon ein paar mal getroffen und ich glaube, das wird auch weiter so sein. ich hab immerhin einen krimi angefangen, der am wolfgangssee spielt. Die lesungsabende haben spaß gemacht. Ich habe wachtmeister studer näher kennen gelernt, was mich sehr gefreut hat. wie auch die wenn auch nur sehr flüchtige bekanntschaft mit guenther anders. ich durfte auf die berge sehen und habe festgestellt, dass das land zum schreiben gut geeignet ist (war deshalb auch zur weinlese in italien und hab soviel geschrieben wie lange nicht hier in der großstadt). Lese mehr krimis. Ich hab regelmäßig und ziemlich gut gegessen. Fand es schön, dass werner auch dort war und dass wir trotzdem in der gruppe und im thema drin waren und es außerdem noch dazugeführt hat, unser beider diskussion über schreiben und leben zu intensivieren.

 

Überhaupt hat die frage nach dem schreiben und dessen platz im erwerbsleben und im leben überhaupt eine größere präsenz bekommen. Es war schön, dass in strobl platz dafür da war. und es wirkt nach.

Ja, was soll ich da noch sagen. Mehr fällt mir jetzt nicht ein. Nocheinmal einen großen dank für all den aufwand und die vorbereitung und die organisation und die art, wie du es durchführst. Wenn du weniger persönliches und irgendwie formalisiertes feedback brauchst, lass es mich wissen. Dann schreib ich noch mal anders.

Mich haben die tage in strobl in meinem schreiben bestärkt, in meinem selbstbewusstsein gestärkt. Sie haben viel energie freigesetzt und aus einigen konjunktiven indikative werden lassen. das geht jetzt nicht im turbotempo, aber es geht.

Ganz liebe grüße nach strobl, bis hoffentlich bald

Ulli

von Wolfgangsee Literaturtage - veröffentlicht in: 2001 Autorenbriefe
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