Neues Buch erschienen

Resonanzen.

Anthologie der Wolfgangsee Literaturtage.

Sigrid Kohl, Tina Strauss (Hg.)

Ersterscheinung 08 2008, Seitenzahl: 192, Einband: Softcover

ISBN 978-3-902157-50-8, Preis: € 13,00


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Saturday, 23. august 2008 6 23 /08 /Aug. /2008 15:33

Ich habe heuer zum zweiten Mal an den Strobler Literaturtagen teilgenommen. Vor zwei Jahren war das Thema "Essay-Werkstätte", heuer lautete es "Krimi-Werkstatt" Obwohl beide Projekte - nicht zuletzt aufgrund der unterschiedlichen Personen (Persönlichkeiten), die daran teilnahmen - doch sehr anders abliefen, empfand ich beide als literarisch, kulturell und auch lebensweltlich aufschlußreich und produktiv.

Literarisch aufschlußreich/produktiv war die diesjährige Werkstatt besonders aufgrund der Möglichkeit nicht nur des Schreibens, sondern auch der Textkritik, die regelmäßig jeden Vormittag angeboten und praktiziert wurde. Positiv, äußerst positiv daran: das intensive Eingehen auf die Texte verbunden mit wirklich sachlicher und - ja ich komme um dieses Wort schon wieder nicht umhin - produktiver Kritik. - Dies eine Tatsache, die wohl auf zwei Faktoren zurückgeführt werden kann: Erstens, war die Auswahl der TeilnehmerInnen für die Werkstätte äußerst glücklich (Gratulation hierzu nochmals an Raimund Kremlicka/Bahr) - und zweitens, erlaubte es die vorgegebene Situation, d. h. Ortwechsel für alle Beteiligten, gemeinsame Unterbringung und Versorgung, daß bei aller - gerade auch künstlerischer - Individualität so etwas wie Gruppendynamik im positivsten Sinn entstand. Es gab die Möglichkeit sich intensiv mit den Texten der anderen (etwa mit den selbst verfaßten oder von ihnen mitgebrachten Lieblingskrimis) zu beschäftigen, sich mit den anderen zu beschäftigen, sich selbst in der Gruppe eine kulturelle Infrastruktur im engeren Sinn zu schaffen. Zu sehen, was man aus einer materiellen Basis bestehend aus: einem Seminarraum, einem Computer (es hätten auch zwei sein dürfen für zehn Leute), sowie zahlreichen Unterlagen zu Kulturarbeit allgemein (von Raimund zur Verfügung gestellt bzw. mit ihm gemeinsam erarbeitet) und etlichen kriminologisch-literarischen Texten im besonderen machen konnte. Und wir machten etwas daraus - nenne man es wie man wolle - Kultur, Kunst, Literatur. Wir setzten in den Räumlichkeiten Ideen um, die irgendwo in der Gegend, in Strobl (Bootshaus, Wald, Wasser, Touristen-Info-Stelle - aber das sind nur meine persönlichen Orte) entstanden waren. Setzten es um in Worte, Texte, Taten - Aktivitäten für die Abendveranstaltungen, wie etwa jenes Spiel mit kriminalistisch-konnotiertem Sprachmaterial, das dann "Ein-Wort-Krimi", "Mini-Krimi", hieß und interaktiv mit dem Publikum umgesetzt wurde - ja Literatur und literarische Veranstaltungen dürfen Spaß machen! - Es schadet nicht, will man/frau andere mit seinem/ihrem Kulturschaffen erreichen. - Diese Reichweite, natürlich war sie nicht nur allein von unseren Lesungen, Krimitext-Sprachspielen abhängig.  - Lebensweltlich interessant, aufschlußreich also auch zu sehen, was möglich war an Kultur mit der kulturellen Infrastruktur im weiteren Sinn, die diese Gegend bot.

Und hier trifft sich mein persönlicher Eindruck wieder mit dem Eindruck, den ich auch von der Werkstätte vor zwei Jahren hatte: Unter lebensweltlich produktiv verstehe ich die Möglichkeit Geschriebenes, Gehörtes, Gelesenes, Wahrgenommenes an einem bestimmten Ort nicht nur in Literatur zu verarbeiten, sondern diese auch an einen bestimmten Ort, Lebensraum weiterzugeben, sie zu vermitteln und so meinerseits Lebensräume kulturell mitzugestalten.

von Wolfgangsee Literaturtage - veröffentlicht in: 2001 Autorenbriefe
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